Flußufer & Biber

Abgenagter Baumstamm am Ennsufer | Foto: Jo Kerviel

Biber UND Bäume schützen - wie geht das zusammen? 


Der Biber ist zurück in Steyr und stellt die Stadt vor neue Herausforderungen. Denn wo sich die Lebensräume von Mensch und Tier überschneiden können auch Konflikte entstehen.

Bäume sind ein wertvoller Teil der Stadtnatur. Bäume sind aber auch wichtig für den Biber:  als Baumaterial und in Form der Rinde als Nahrung für den Winter. Was also tun, wenn der Biber die Stadtnatur von Steyr durch seine Anwesenheit bereichert, aber dabei entsprechend seiner Natur Bäume annagt oder fällt? 

Wer haftet für z. B. für Schäden, die durch umgestürzte Bäume entstehen? Was passiert, wenn Biber in privaten Gärten oder an Wasseranlagen ein Malheur anrichten? Wie können Probleme mit Totholz (Verklausung) gelöst werden, etc.?

Die Stadt hat reagiert, indem sie vom Biber angenagte Bäume gefällt hat, um Schäden durch einen umstürzenden Baum hintanzuhalten. 


Spätestens seit diesen Fällungen von schönen alten Weiden entlang des Steyrkanals in der Wehrgrabengasse und entlang des Ennsufers, fragen sich Steyrer Bürger allerdings, ob diese im Zusammenhang mit dem Biber getroffenen Maßnahmen denn tatsächlich notwendig und zielführend waren.


Eben diese Kahlschläge haben uns als Baumschutz-Initiative auf den Plan gerufen. 


Um mehr über die Lebensweise des Bibers und über alternative und baumschonende Präventionsmaßnahmen zu erfahren, haben wir Bernhard Schön zu einem Lokalaugenschein eingeladen, der bis vor einem Jahr in Oberösterreich für das Bibermanagement zuständig war:

Demnach gibt es drei Tätigkeiten des Bibers, die im Zusammenleben mit dem Menschen Konflikte verursachen: Nagen, Graben, Stauen.

Baumstumpf bei der Eisenbauhnbrücke Garsten | Foto: Jo Kerviel

Nagen“ ist bei einem Nagetier, im Falle des Bibers dem größten in Europa, als Tätigkeit  gleichsam vorgegeben.

Es bedeutet für den Vegetarier Biber zunächst einmal fressen -  von Gräsern über Kräuter bis zur Rinde von Gehölzpflanzen im Winter. In weiterer Folge aber auch Material gewinnen für Dammbauten oder eine Biberburg. Das kann Konflikte auslösen, wenn Biber ein Maisfeld als aus ihrer Sicht äußerst nährstoffreiche und schmackhafte Nahrungsquelle ausfindig machen, oder auch wenn sie Bäume fällen. 

Was man gegen unerwünschtes Nagen an Bäumen tun kann:
 

  • Einfache Schutzmaßnahmen sind. Schutzanstriche (z. B. auf Basis Kautschuk mit Quarzsand) oder Verbissschutzgitter. Letztere müssen jedoch im Boden verankert werden, und sollten auch stark genug sein, um Biberzähnen standzuhalten. 
  • Bäume, die bereits vom Biber gefällt wurden, oder die aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten, sollte man jedenfalls eine Zeitlang liegen lassen, um dem Biber eine Nutzung als Baumaterial oder Nahrung zu ermöglichen. 
Biberburg im Wehrgraben |Foto: Jo Kerviel

„Graben“ ist eine Eigenart von Bibern, die auf ihren Lebensraum in und an Gewässern zurückzuführen ist. 

Grabbare Ufer sind für Biber lebensnotwendig, denn sie verbringen unter Tags die Zeit in der Regel in Biberröhren, die vom Gewässer ausgehend in die Uferböschung gegraben werden, oder im Biberbau, der ebenfalls durch eine Röhre vom Gewässer aus zugänglich ist.

Dort wo solche Röhren bis nahe unter die Erdoberfläche kommen, kann es zur Absenkung von ufernahen Wegen und Einbrüchen kommen.

Was man dagegen tun kann: 

  • Schaffung von ausreichenden Uferbegleitstreifen (mindestens 10 m), oder wo dies nicht möglich ist: Grabeschutz im Uferbereich errichten. Beide Maßnahmen sind allerdings im Nachhinein aufwändig!
Biber beim Essen @ Foto: Jo Kerviel

„Stauen" durch den Bau eines Dammes ist die anspruchsvollste Tätigkeit des Bibers. Damit wird er zum Baumeister, der seinen Lebensraum selbst so effektiv wie kaum ein anderes Tier gestaltet. 

Das nützt vielen Tieren, die auf Feuchtlebensräume angewiesen sind; das verändert den Lebensraum Gewässer auch positiv für Fische und positiv für den Menschen; das hat auch das Potenzial die Versickerung und den Rückhalt von Niederschlägen zu verbessern und damit den Hochwasserschutz zu verbessern. 

Doch dafür gönnen wir dem Biber in der Regel den Platz nicht mehr.  

Biber UND Bäume zu schützen ist also miteinander vereinbar - es braucht nur den Willen und das Wissen für das Wie.

Obwohl wir immer öfters die Spuren von Bibern in Form von angenagten Bäume entlang der Enns, der Steyr (z. B. im Wehrgraben) und in der Unterhimmler Au finden, bleiben die neuen Stadtbewohner doch geheimnisvoll.


Kaum jemand weiß mehr über die nachtaktiven und scheuen Nager oder hat sie sogar schon zu Gesicht bekommen.

Deshalb in Folge einige der häufigsten Fragen kurz beantwortet.

Aber vorher noch ein paar Bilder vom Biberexperten Bernhard Schön zum Verschnaufen vom Lesen. Danke, dass du bis hierher dran geblieben bist!

Fotos | Slideshow: © Bernhard Schön

Biber in Steyr: Fragen & Antworten

Was sind Biber, und wie leben sie?

Biber können bis zu 30 kg schwer werden und sind somit die größten europäischen  Nagetiere. Sie leben am und im Wasser, einzeln oder in Familienverbänden, und verteidigen ihr Revier, das sich über mehrere Kilometer Uferlänge eines Gewässers erstrecken kann, vehement gegen andere Artgenossen. Der Eingang der Biberburg befindet sich zum Schutz vor Feinden unter der Wasseroberfläche. Reicht die Wassertiefe dazu nicht aus, wird das Wasser mittels eines Biberdamms aufgestaut. 


Sie ernähren sich rein pflanzlich und fressen im Frühjahr und Sommer Gräser, Kräuter und frische Zweige entlang der Ufer; laben sich aber auch an Zuckerrüben und Mais von ufernahen Feldern. Vor allem im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapp wird, fällen sie auch Bäume (meist Weiden), um die saftige Rinde abzunagen.


Die scharfen Schneidezähne der Biber sind legendär! Sie haben sogar Eiseneinlagerungen und sind scharf wie ein Messer - passt doch gut zu unserer Eisenstadt, oder?


Ist der Biber überhaupt eine heimische Tierart?

Der Biber ist eine in (Ober-)Österreich heimische Tierart. Vor mehr als 150 Jahren in Österreich völlig ausgerottet, wurden einzelne Biber in den 70er- und 80er Jahren wieder in Wien und im bayerisch oberösterreichischen Grenzraum angesiedelt. Seither haben sie sich entlang der großen Flüsse in die meisten Nebengewässer ausgebreitet. Mit Stand 2019/2020 kann man von rund 8.600 Bibern in ganz Österreich ausgehen. 


Mittlerweile sind Biber auch in Steyr wieder heimisch geworden, und sie sind gekommen, um zu bleiben. Mit dieser Tatsache gilt es jetzt umzugehen.


Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Biber begegne?

Biber sind streng geschützt! Jede Störung der Biber und ihrer Baue ist streng untersagt.


Beobachte sie leise und aus der Ferne. Die Nager sind sehr scheu und flüchten sich ins Wasser. In die Enge getrieben könnten sie aber auch ihre Zähne einsetzen. Lass sie also einfach in Ruhe.


Vermehren sich Biber bald ungebremst in Steyr?

Nein, davon ist nicht auszugehen. Zum einen, weil sich der Lebensraum von Bibern nur direkt am unmittelbaren Uferbereich von Wasserläufen befindet, und andererseits weil sie territoriale Tiere sind und Reviere besetzen. Je nach Nahrungsangebot erstreckt sich ein Biberrevier ca. 1 bis 6 km entlang eines Gewässers. 

Biber sind - entgegen anderen Nagetieren - überdies nicht sehr vermehrungsfreudig und haben pro Jahr höchstens 2 - 4 Junge. Ältere Jungtiere werden nach spätestens 2 Jahren unsanft vertrieben. Diese suchen sich dann ein eigenes Revier. Ca. 50 % der Jungbiber sterben übrigens auf dieser Wanderschaft.

Der Lebensraum der Biber in und um Steyr ist begrenzt, und die Biberpopulation regelt sich allein durch deren Biologie und Lebensweise.

Wo kann ich mich informieren? Wer hilft Betroffenen?

  • Bezirkshauptmannschaft (Naturschutzbeauftragte)
  • Land Oberösterreich (Abteilung Naturschutz)


Bibermanagement OÖ: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/129257.htm

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Biber mitten in Steyr  (Wehrgraben, Mai 2021)

Empfehlenswerte Lektüre:

Biberhandbuch „Mit dem Biber leben!“

Natur & Land | Ausgabe 3/2013